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  • Thomas Gawlitta

Das Energielabel als Einflussgröße in der Immobilienbewertung - ein erster großer Schritt in der ESG

Die Umsetzung der neuen ESG-Kriterien ist für alle Marktteilnehmer ein wichtiges Thema in den kommenden Jahren. Viele haben sich das bereits ab diesem Jahr an erster Stelle auf die Agenda gesetzt - so auch wir. In der Europäischen Union sind Wohn- und Gewerbegebäude zusammen für etwa 40 % des Energieverbrauchs und für 36 % der CO2-Emissionen verantwortlich. Der hohe politische und gesellschaftliche Druck auf den Markt ist also nachvollziehbar. Doch stehen alle vor der großen Frage wie dies nun konkret umgesetzt werden soll und kann, denn Nachhaltigkeit, soziale Verantwortung und Klimaschutz bei Immobilien kann so vieles bedeuten und reicht von der CO2-Bilanz von Baumaterialien, über die Einhaltung von Standards im Arbeitsschutz und -bedingungen bis zur Errichtung von Lademöglichkeit für E-Autos oder die Nutzung von Regenwasser als Brauchwasser. All das sind mögliche Kriterien und damit auch Einflussfaktoren, wenn es zukünftig um die Wertermittlung einer Immobilie geht.


Ein erster entscheidender Schritt ist die Einbeziehung des Energie-Labels einer Immobilie. Seit 2014 ist es für Verkäufer von Immobilien und Neu-Vermieter Pflicht einen Energieausweis für ihre Immobilie auszuweisen. Seit Mai dieses Jahres regelt dies einheitlich das Gebäudeenergiegesetz (GEG), das die Energieeinsparverordnung (EnEV) abgelöst hat. Der Energieausweis gibt dabei Auskunft über die energetischen Kennwerte und die daraus resultierenden Treibhausgasemissionen des Gebäudes. Die Skala des Ausweises reicht dabei von A+ bis H. Altbauten beispielsweise oder Wohngebäude mit einem durchschnittlichen Verbrauch liegen zumeist in Klasse E. Mit unserer digitalen Immobilienbewertung ist es damit nun erstmals auch möglich zu ermitteln wie sich der Wert einer Immobilie verhält, wenn energetische Sanierungsmaßnahmen durchgeführt und sich damit die Energieklasse des Gebäudes verbessert.


Sowohl beim Neubau als auch bei Modernisierungen wird es zum nachhaltigen Werterhalt künftig immer wichtiger nicht nur heutige ESG-Standards zu erfüllen, sondern gesetzliche Vorgaben und gesellschaftliche Erwartungen über die Lebenszyklen von Gebäuden zu antizipieren. Wie weit man dabei geht, hängt natürlich auch vom Einfluss dieses Erfüllungsgrads auf die Wertentwicklung ab. Trotz hoher Korrelation mit dem Baujahr, lässt sich aus Marktdaten heute bereits ableiten, dass Gebäude mit besserem Energiestandard höhere Preise erzielen auch im Vergleich mit Gebäuden ähnlichen Alters und Zustands. Dies muss der Investor ins Verhältnis zu seinen Kosten setzen.


Eine umfassende Datenbasis zur CO2-Bilanz eines Gebäudes, von der Errichtung bis zur Nutzung ist noch Zukunftsmusik, doch wenn es einmal möglich ist zentral für jedes Wohngebäude eine Datenbasis bereit zu stellen, wird es auch möglich sein diese umfassend in der Immobilienbewertung entsprechend zu berücksichtigen.


Autor: Christian Crain, Geschäftsführer PriceHubble Deutschland GmbH

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