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  • Thomas Gawlitta

Nachhaltigkeit – Nadelöhr oder Katalysator? Was Start-ups bedenken sollten

Henning Zander, Aareal Bank


Das Cluster Environmental, Social and Governance (ESG) ist ein drängendes Thema für die Immobilien- und Wohnungswirtschaft. Was für die Corporates vor allem Herausforderung ist, wird für Start-ups zur Chance, sich als Partner und Innovatoren zu positionieren.


Hinterher ist man immer schlauer: Der CB Insights Report 2021 zu den „Top 12 Reasons why Startups fail“ nennt als den zweithäufigsten Grund für das Scheitern von Start-ups den fehlenden Marktbedarf. Innovationen zünden nicht ohne Wirkungskontext.

Die Relevanz eines Produkts ist der entscheidende Faktor für den Erfolg von Start-ups. Damit verbunden und noch grundlegender aber ist Marktwissen und ein tiefgreifendes Verständnis für die Bedürfnisse der Zielgruppe. Sicher, viele junge Unternehmen beginnen mit der Produktidee und nehmen dann rasch Fahrt auf, aber auch die innovativste Idee muss so früh wie möglich auf Relevanz überprüft werden. Dazu gehört, abzuklopfen, was den Markt bewegt. Diese Insights ergeben sich am besten aus der Kooperation und dem Austausch von Start-ups und Corporates.


Nachhaltigkeit als Erfolgsfaktor


Ein Thema, das beispielsweise die Immobilien- und Wohnungswirtschaft treibt und damit auch Start-ups bei der Entwicklung von Services und Produkten leiten kann, sind die im Cluster ESG zusammengefassten Themen Environmental, Social und Governance. In diesem Kontext kann für die Zukunft von hohen Offenlegungsanforderungen ausgegangen werden. Neben der Digitalisierung wird das Thema Nachhaltigkeit zu einem der großen Treiber für Veränderungen in der Branche.


Immobilien sind ein zentraler Faktor beim Einstieg in eine nachhaltigere Energieversorgung. Dekarbonisierung gewinnt zunehmend an Bedeutung beim Blick auf Gebäude. Erwünscht sind Maßnahmen, die dazu beitragen, CO2-Emissionen drastisch zu reduzieren und in allen Bereichen neue und klimafreundliche Technologien zu implementieren. An Betätigungsfeldern für die smarten Lösungen innovativer Start-ups mangelt es also nicht. Ob Unternehmenssteuerung, Investmentprozess, Reporting, rechtliche und steuerliche Fragen oder auch das Management der Daten mit Blick auf eine erhöhte Transparenz in Sachen Nachhaltigkeit: Die Anforderungen steigen. Nachhaltigkeit wird zum entscheidenden Kriterium bei Investitionen und bei der Entwicklung, aber auch im Verhältnis zu den Mieterinnen und Mietern.


ESG – Chancen für Startups

Start-ups verfügen über genau die Stärken, die in Zeiten der Transformation erforderlich sind: Schnelligkeit, Agilität und Mut. Sie bieten etablierten Unternehmen Zugang zu innovativen Produkten und einen frischen Blick auf eingefahrene Prozesse und Geschäftsmodelle. Die Kooperation mit Corporates verschafft Start-ups im Gegenzug wichtiges Erfahrungswissen und Zugang zu neuen Netzwerken.


Hochkarätige Initiativen und Programme bieten Start-ups und PropTechs Zugang zu Corporates. Sie vermitteln ihnen Einblicke und geben ihnen Marktwissen an die Hand, um die Bedürfnisse der Corporates – etwa mit Blick auf das Thema ESG – noch besser zu verstehen und die eigenen Lösungsangebote in den Fokus zu rücken.

Eine solche Initiative sind beispielsweise die Fintech Germany Awards, in deren Rahmen die Aareal Bank in diesem Jahr erstmals Sponsor in der Kategorie „Sustainable Finance“ ist.


Das große Interesse an Accelerator-Programmen, Inkubatoren oder Awards für herausragende Innovationen zeigt: Die Zukunft geht nur gemeinsam. In vielen Bereichen geschieht das bereits und die Immobilienwirtschaft ist generell aufgeschlossen für Start-up-Kooperationen. Bei der Aareal Bank arbeiten wir zum Beispiel erfolgreich mit einem eigenen Start-up-Programm an innovativen Lösungen für unsere Kunden aus der Wohnungs- und Energiewirtschaft. Manche dieser hocheffektiven Lösungen erscheinen eher unspektakulär, wie eine Softwarelösung für die Optimierung von Ableseprozessen in der Wohnungswirtschaft oder eine App für den Kundenservice. Entscheidend aber ist: Wer Veränderungen meistern will, braucht konkrete Lösungen. Sie entstehen nur, wenn das Silodenken überwunden wird und Start-ups wie Corporates stattdessen Synergien eingehen, die Raum für nachhaltige Innovationen schaffen.

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